Saturday, May 21. 2011
Caritativ sein ...
... und Geld für die gute Sache sammeln ist eine Seite. Die andere die, wie es gemacht wird. Ich hatte in dieser Woche einen sehr persönlichen Brief in der Post. Sehr wohlgesetzt die genutzte Schrift der Massenpost - täuschend echt als persönliche Mitteilung, natürlich mit direkter Namensanrede schildert eine Mutter das Leiden ihres Söhnchens, der an Mukoviszidose erkrankt ist. Wie sie an seinem Bettchen gesessen hat und andere belastende Momente. Dazu gibt es ein Hochglanzfoto von Mutter und Sohn auf dem Spielplatz, auf der Rückseite: J.... ist mein kleiner Engel! Wie von Hand geschrieben.
Selbstredend, dass auch direkt ein vorbereitetes Überweisungsformular für die erbetene Spende an den eingetragenen Verein zur Erforschung der Krankheit auffordert.
Ich habe mit dem Brief in der Hand da gesessen. Und die Wut stieg in mir hoch. Wie weit gehen eigentlich manche Leute, um an das Geld anderer zu kommen??? Mukoviszidose ist eine relativ häufig verbreitete Krankheit, um deren Erforschung sich viele Wissenschaftler bemühen und in deren Erforschung sowohl Steuergelder als auch erhebliche Gelder der Pharmaindustrie fließen.
Ich dachte an meine ewigen Stunden am Bett meiner Tochter. Daran, dass dieser verfluchte Morbus Wilson so selten ist, dass es sich nicht lohnt für die Industrie, großartig Forschungen zu betreiben und die Kranken auf 2 läppische Medikamente angewiesen sind, die erhebliche Nebenwirkungen haben. Ich dachte daran, dass letztlich mein eigenes wirtschaftliches Aus seine Grundlage in eben diesem verfluchten Morbus Wilson hat. Und ich dachte daran, dass es noch viele seltene Krankheiten gibt, die erforscht werden müssen, damit den Betroffenen geholfen werden kann wenn sie schon nicht geheilt werden können.
Würde jeder so ein auf die Tränendrüsen drückendes Pamphlet durch die Republik schicken, wir hätten wohl jeden Tag mindestens eins davon im Briefkasten. Denken die Verantwortlichen, die zu solchen Strategien greifen, eigentlich nicht daran, wo ihre billigen Bettelbriefe landen? Mitleidige Seelen, die einfach kein Geld zum Helfen haben. Schwerkranke, denen nicht geholfen werden kann. Eltern von kranken Kindern. Und so weiter.
Auch in einer rohen Zeit wie der unsrigen sollten gewisse Grenzen nicht überschritten werden. Für mich gehört dazu, dass man nicht mit dem Leid von Kranken in dieser persönlichen Form und noch dazu mit einem Kinderbild eine Massensendung an die Post gibt. Mit dem - reduzierten - Porto könnte man das Forschungskonto vermutlich schon mal etwas anfüllen ...
Thursday, May 19. 2011
Clown-Verbot ...
... soll es nach einer mal wieder sogenannten Experten-Meinung geben. Protestiert wird gegen Ronald von der berühmten NichtfeinschmeckerMc-Kette. Nun kann man ganz sicher darüber streiten oder geteilter Meinung sein, ob die dort angebotenen Speisen gesund sind. Wenn man sich nun ausschließlich dort ernährt, dann mag das durchaus zutreffen. Nur frage ich mich, welcher Normalbürger sich das schon mal von der Geldbörse her leisten kann. Aber davon abgesehen: ab und an mag ich diese platten Fleischklopse schon. Allerdings sehr selten. Aber es gibt ja Alternativen. Auch dort. Diese Fladen, die viel Grünzeugs und wenig Rind- oder Hühnerfleisch umwickeln mag ich ganz gern. Dazu noch ein Gartensalat. So halte selbst ich dort mal ein Essen gut aus. Frühstück ohnehin. Frische Croissants, frisches Rührei - mehr brauche ich morgens ganz bestimmt nicht. Dazu ist der Kaffee ok. Aber ich schweife mal wieder ab.
Ganz sicher geht es den Experten darum, die Kinder nicht durch den Clown und nicht durch das Spielzeug (auch das soll weg!) in die Hamburger-Welt dauerhaft zu entführen. Aber ist das nicht die Sache der Eltern? Bei uns war es nie ein Thema. Ab und an - als etwas besonderes. Und ganz ehrlich. Ich habe in keinem anderen Restaurant je Auslagen mit Nährwerttabellen etc. gesehen. Aber sollen die Klops-Manager jetzt ihre Besucher auch noch zum Lesen zwingen? Oder zu Kochkursen, damit es zwischen den Besuchen dort daheim auch mal Grünkernsuppe gibt?
Wird der Clown jetzt abgeschafft - was kommt als nächstes? Ich wäre da für diese blonde Sirenenpuppe mit überdimensionaler Oberweite. Da wird doch kleinen Mädchen ein Schönheitsideal aufgezwungen ... halt, vielleicht ist das ja die Wunderwaffe gegen Klops und Co.? Wenn du zuviel Sachen vom Onkel Clown in dich rein stopfst, mein Mädel, dann wird es nix mit Wespentaille und Atombusen!!! Aber wie bringen wir es den kleinen Jungen bei, ohne dass gleich wieder sexistische Vorwürfe laut werden? Keine Ahnung! Ken wurde abserviert, weil er nur noch Fleischbällchen wollte?
Aber im Ernst, für mich steht der berühmte Clown Ronald für die karitative Seite der großen Eßunkultur. Seine Häuser für die Eltern kranker Kinder, ja, die verbinde ich mit ihm. Ansonsten ist er mir eigentlich noch nie stark als Werbeträger aufgefallen. Ist aber auch so ziemlich egal. Weil es wohl doch eher darum gehen sollte, die Eltern zu erziehen, ihre Kinder vernünftig zu ernähren. Ich wage zu bezweifeln, dass denen der Clown fehlen würde und das Spielzeug in den fröhlichen Mahlzeit-Tüten ...
Friday, May 13. 2011
Ewigkeiten ...
... brauchte frau zum Überlegen, Grübeln, Verzweifeln, Hoffen - halt zum Leben, mal wieder auf dem Weg zum eigenen Ich. Ich brauche Zeit, die ich eigentlich nicht habe. Weil ich nun doch endlich mal in die Hufe kommen muss. Aber da ist immer wieder diese innere Bremse. Seltsamerweise zeigt es sich nach einigeer Zeit, dass diese Bremse aus irgendeinem kühlen Grunde gut war und ist. Morbus Wilson lässt mal wieder grüßen. Keine Ahnung, ob jetzt die Nebenwirkungen des Medikamentes wieder greifen oder ob doch die Leber muckert. Der Ärztemarathon für Anni scheint neu zu starten. Wir haben kein zu schlechtes Gefühl - das berühmte Bauchgefühl -, aber besonders gut ist es auch nicht.
Dann die tagtäglichen Ereignisse, die oft fragen lassen: was herrscht denn um Himmels Willen für ein Zeitgeist??? Enthüllungen - viele fühlen sich berufen, in den Leben anderer zu wühlen. Und unsere Presse saugt jede noch so kleine Information auf wie ein Schwamm. Um ihn dann, mit eigenem Wasser angefüllt, über der begierigen Leserschar auszudrücken. Neid, Mißgunst, aber auch Häme breiten sich ungeniert aus. Schlimmer, sie werden offen zur Schau getragen.
Dazu die gewaltigen Naturereignisse. Schlimmer hätte auch Orwell sie sich nicht ausdenken können. Doch mit seinem Big Brother hat er voll ins Schwarze getroffen. Von Politikern lauthals geforderte Eigeninitative wird vom Staat im Keim erstickt durch willkürliche Regeln vom grünen Tisch. Neuestes Beispiel für mich: der Griff zu den Tagesmüttern, um sie mit den Kindergärten gleichzuschalten. E'inheitserziehung muss her, damit lauter Einheitsbürger entstehen. Ausgestattet mit dem Denkschema "staatlich verordnet, also gut" sollen die heute noch kleinen Menschen wohl durch ihr weiteres Leben gehen. Erwartung? Ich schätze, dass sie nicht einfach mal so eine eigene Meinung sich bilden und wir so zu einem Volk der freudigen Ja-Sager zu den jeweils Regierenden werden. Schaurig!
Im Kampf gegen den Terror ist ein entscheidender Schlag geglückt. Wirklich? Auch das wird hochgepusht. Anstatt es zur Kenntnis zu nehmen und nicht jede Einzelheit zu hinterfragen. Ich glaube nicht, dass jeder Mensch alles wissen muss ...Ich glaube allerdings auch nicht, dass jeder Mensch alles wissen will. Was mich mal wieder zu meinem Liebling Fernsehen bringt mit seinen enormen Aufklärungsserien über das wahre, tägliche Leben. Willst du wissen, wie man gut Benzin klaut oder wie man perfekt den Ladendiebstahl begeht? Schau einen Monat diese nachmittäglichen Sendungen und du wirst so geschult sein, dass es dir schwer fallen wird, dich zu entscheiden. Erst den Tank des Nachbarn anbohren oder lieber doch den ganzen Wagen in östliche Länder verschieben? Allerdings vorher noch die Sachen rein packen, die er zuviel in seiner Wohnung hatte ... (Extra-Tipp: auf der Terrasse nach Engelstrompete und Co. zum Berauschen der nächsten Grillparty schauen ...).
Ich habe lange überlegt, ob und wie ich weiter bloggen möchte/werde. Denn immer wenn ich es tun wollte, kam Meckerei über irgendwelche Ereignisse dabei heraus. Das wollte ich nicht. Aber ich wollte und will bloggen. Also wird hier wohl wieder die eine oder andere Motzerei stehen, die eine oder andere Geschichte oder Banalität. Halt wie eben das tägliche Leben und ganz speziell meins so ist.



Kommentare
Thu, 03.05.2012 17:07
Liebe Ulrike! Endlich seit [...]
Wed, 02.05.2012 20:55
Danke lieber Wolfgang - es hat [...]
Mon, 30.04.2012 14:27
Ich denke heute ganz doll an [...]