... gehen! Ich hasse es, wenn sich unverhofft wieder Bürokratietürme aufbauen, wo wirklich keine sein müssten. Jeder, der hier länger liest, weiß, dass ich durch Morbus Wilson bzw. durch Annis Krankheitsgeschichte arg traumatisiert bin. Nun lief alles irgendwie doch rund - die Behandlung stimmte, Anni hat gelernt, mit der Krankheit zu leben und ich auch. Warum nur ist sie 18 im letzten Jahr geworden???
Ich musste heute noch mal zur Kontrolle der Nieren zum Arzt und angesichts der morgigen Kontrolluntersuchungen von Anni im Klinikum Aachen wollte ich dann noch fix die notwendige Überweisung. Bisher ein problemloses Unterfangen. Aber nun hatte sie ja den Arzt hier am Ort wechseln müssen, weil der Kinderarzt sie wegen des 18. Geburtstages nicht weiter behandeln durfte. War auch kein Problem - der neue, mein Hausarzt übernahm sie unter der Bedingung, dass die Behandlung des Morbus Wilson weiterhin in Aachen erfolgen würde. Klar! Im April hatten wir auch problemlos den notwendigen Berechtigungsschein bekommen (ja, für eine Uniklinik braucht man einen Berechtigungsschein und keine stinknormale Überweisung; den Unterschied kenne ich nicht und der ist wohl auch nur Bürokraten bekannt). Die Kontrolluntersuchung war gelaufen und gleichzeitig noch - zu Annis Glück - in der Lungenfachabteilung festgestellt worden, dass sie tatsächlich noch Asthma hat und das bisherige Notfallspray für ihre vermeintlich allergisch bedingten Atemnöte ihrer Gesamtgesundheit mehr schadete als nutzte ... Und exakt von dieser Untersuchung hat nun der Hausarzt keinen Bericht aus dem Klinikum bekommen und sagt: ohne Bericht kein erneuter Berechtigungsschein!
Und exakt dabei fiel ihm auf, dass Anni inzwischen 18 ist. Ja, da kann er doch keinen Berechtigungsschein für die Pädiaterie geben, da gehört sie doch nicht mehr hin. Was ja rein logisch auch vollkommen richtig ist. Nur - es gibt in der 'Erwachsenenmedizin' keinen Arzt, der sich mit Morbus Wilson so auskennt wie unser Herr Privatdozent. Daher hat der zunächst entschieden, dass er Anni bis zum 25. Lebensjahr betreuen wird - Zeit genug, neue Lösungen zu finden.
Natürlich glaubt mir dies der Herr Hausarzt, aber er hätte es halt gern schriftlich. Kann ich auch verstehen - nur bitte, bitte: ich werde das dann morgen veranlassen. 'oja, das ist prima, dann klären Sie das und dann stelle ich den Schein aus'. Bitte?
Morgen in der Gluthitze nach Aachen und abklären - ohne Untersuchung? Was bedeuten würde, dass eine Kontrolluntersuchung ganz ausfallen müsste, weil freie Termine dort immer einen Vorlauf von 3 bis 5 Monaten haben! Nein! Nein! Und nochmals Nein!
Also ans Telefon gehangen - und wenn sie in der Uniklinik eins haben, dann sind das überaus freundliche Schwestern! Sie stöhnte direkt mit mir darüber, dass die Klinikumsärzte so gern vergessen, den Hausärzten Berichte zu schreiben. Und das Problem '18 Jahre' werde sie klären. So hörte ich einige Zeit die heute übliche Musik aus dem Hörer und dann tatsächlich: 'kommen Sie morgen zum Termin, die Untersuchungen werden natürlich gemacht und Sie bekommen Kurzberichte und die Bestätigung, dass Dr..... weiterbehandelt, direkt mit und reichen dann den Berechtigungsschein nach' ........ ha, es gibt Lösungen in unserer bürokratischen Welt!
Und ich sah uns schon auf dem Weg nach Heidelberg oder sonstwohin. Nun können wir noch 7 Jahre hoffen, dass auch in NRW sich ein Arzt bereit findet, sich mit Morbus Wilson intensiver zu befassen. Wobei es welche gibt - aber sie haben sich leider auf die neurologischen Auswirkungen spezialisiert, die Anni - wieder zum Glück - kaum hat. Was die agressive, organische Form allerdings auch nicht besser macht 'seufz'